R- Resilienz (Wie werden unsere Kinder stark fürs Leben?) – TEIL 2

r-resilienz-wie-werden-unsere-kinder-stark-fuers-leben-teil-2

Im letzten Blogbeitrag habe ich dir die Resilienz (psychische Widerstandfähigkeit) und die ersten beiden persönlichen Schutzfaktoren (Resilienzfaktoren) vorgestellt.

In diesem Beitrag möchte ich dir nun zwei weitere persönliche Schutzfaktoren vorstellen und wie du die Entwicklung dieser unterstützen kannst.

Resilienzfaktoren

Die zwei weiteren persönlichen Schutzfaktoren sind:die Problemlösefähigkeit und die Stressbewältigungskompetenz

Mit Problemlösefähigkeit ist die Kompetenz gemeint, schwierige und nicht eindeutige Probleme/ Hindernisse, gedanklich zu begreifen und mit Hilfe des verfügbaren Wissens, erfolgreiche Handlungsstrategien zu entwerfen und einzusetzen. Es geht also darum ein Problem zu erfassen und dann einen Plan zu entwickeln und durchzuführen, mit dem das Problem gelöst (bzw. ein Hindernis überwunden) werden kann. 1,2  Eine gute Problemlösefähigkeit unterstützt die Resilienzentwicklung insbesondere dadurch, dass erfolgreiche Strategien ausgewählt und zielorientierte Pläne verfolgt werden. Erfolgreiche Strategien führen zu einer angemessenen Reaktion bei Schwierigkeiten und zielorientierte Pläne erhöhen die Motivation sich den Schwierigkeiten zu stellen. 3

Die Stressbewältigungskompetenz setzt sich zusammen aus den Bewältigungsfähigkeiten (z.B. persönliche Kompetenz, um erfolgreich eine wichtige Klausur zu schreiben -> z.B. Motivation, Intelligenz, Gelassenheit, Lernstrategien etc.) und den Bewältigungsmöglichkeiten (z.B. gibt es noch genug Zeit um sich auf die Klausur vorzubereiten?) einer Person. 4,5  Eine gute Stressbewältigung zeigt sich durch eine geeignete Auswahl an Strategien, die bei einem stressauslösenden Ereignis eingesetzt werden, um dieses zu bewältigen.6

Ob generell Stress entsteht, hängt davon ab, ob ein Ereignis potenziell stressend ist (es muss relevant und negativ sein), wie das Ereignis dann bewertet und die eigene Stressbewältigungskompetenz eingeschätzt wird. Es kommt zum Stresserleben, wenn das Ereignis als bedrohlich bewertet (es wird sich z.B. vorgestellt welche Konsequenzen das Nichtbestehen der Klausur hat) und die eigene Stressbewältigungskompetenz als unzureichend eingeschätzt wird (z.B. die eigenen Fähigkeiten werden als zu gering eingeschätzt und es besteht bereits Zeitdruck). 4,5  

Wenn das stressauslösende Ereignis vorüber ist, wird es nochmal neu bewertet. Wurde dies trotz der vorherigen Bewertung und Einschätzung z.B. erfolgreich bewältigt, wird ein ähnliches/ gleiches Ereignis, später als weniger stressend bewertet (es wird sich z.B. erinnert, die Klausur erfolgreich bestanden zu haben und vorgestellt, dass dies bei einer ähnlichen Klausur ebenso sein wird). Auch die Einschätzung der Stressbewältigungskompetenz bei einem ähnlichen/ gleichen Ereignis wird neu eingeschätzt (z.B. werden die eigenen Fähigkeiten und auch ein geringer Zeitraum, zum Lernen, als ausreichend eingeschätzt). 4,5   Bei einer nicht erfolgreichen Bewältigung des Ereignisses, kann sich das Stresserleben in einer ähnlichen/ gleichen Situation dementsprechend verschärfen. 4,5  

Die Resilienzentwicklung fördern:

So unterstützt du die Entwicklung der Problemlösefähigkeit:

  • ACHTE DARAUF, OB DU DEIN KIND MÖGLICHERWEISE ÜBER- ODER UNTERFORDERST

Dein Kind entwickelt seine Problemlösefähigkeit weiter, wenn es ein Problem erfolgreich löst. Das Problem sollte lösbar und für dein Kind von Bedeutung sein, sowie Neugierde bei deinem Kind wecken. 3 Eine Überforderung kann z.B. eintreten, wenn du deinem Kind eine Tätigkeit anbietest, für dessen Ausführung es noch nicht die nötige Entwicklungsreife besitzt, z.B. mit ihm Lesen üben, obwohl es sich noch nicht für Buchstaben interessiert. Eine Unterforderung kann dementsprechend eintreten, wenn du ihm eine Tätigkeit anbietest, die weit unter seiner Entwicklungsreife liegt. Es kann es hilfreich sein, sich über die Entwicklungsstufen von Kindern zu informieren und dementsprechend, eine anregende Umgebung für das Kind zu schaffen.

  • TRAUE DEINEM KIND ZU, ALLEINE PROBLEME ZU LÖSEN

Du hilfst deinem Kind dabei, eine gute Problemlösefähigkeit zu entwickeln, wenn du deine Unterstützung erst anbietest, sobald dein Kind dich darum bittet. Durch Anleitungen und vorgegebene Lösungen, verringert sich die Motivation deines Kindes, ein Problem selbst lösen zu wollen. Um seine Problemlösefähigkeit zu entwickeln, benötigt dein Kind jedoch ausreichend Erfahrungen mit Problemen, die es selbst lösen kann. Versuche z.B. zu vermeiden, deinem Kind zu zeigen, wie es auf ein Klettergerüst steigen kann. Dein Kind lernt alleine Probleme zu lösen, indem es andere beim Lösen ähnlicher oder gleicher Probleme beobachtet und indem es sich selbst ausprobiert. Um beim Beispiel Klettergerüst zu bleiben: Dein Kind beobachtet andere Kinder, wie diese auf das Klettergerüst steigen und wird es selbst ausprobieren. Es geht nicht darum, dass dies sofort gelingt. Frust, wenn etwas nicht gelingt, gehört zur normalen Entwicklung dazu. Es wird sich mit der Zeit mehr und mehr das Problem alleine erschließen.

  • BEZIEHE DEIN KIND IN ENTSCHEIDUNGEN UND BEIM PLANEN MIT EIN

Du förderst die Problemlösefähigkeit, wenn dein Kind mit dir zusammen entscheiden und planen darf. Du kannst dein Kind z.B. wenn du ihm abends vorliest, das Buch auswählen lassen oder es mit in die Planung der Freizeitgestaltung einbeziehen. Die Art des Einbezugs ist abhängig von der Entwicklungsstufe deines Kindes. Eine Über- oder Unterforderung wäre hier natürlich auch nicht hilfreich.

So förderst du die Stresskompetenz deines Kindes:

  • HILF DEINEM KIND STRESSAUSLÖSENDE FAKTOREN ZU REFLEKTIEREN

Um eine gute Stressbewältigungskompetenz zu entwickeln, ist es für dein Kind hilfreich, wenn es weiß, was bei ihm Stress auslöst, wie sich Stress bei ihm zeigt und welche stressauslösenden Situationen/ Ereignisse es alleine bewältigen kann. So lernt es Situationen besser einzuschätzen und dem Stress vorzubeugen. Wenn es z.B. über sich weiß, dass es unter Zeitdruck schlecht lernt, kann es üben, sich für das Lernen, einen realistischen Zeitplan zu erstellen.

  • VERSUCHE DEINEM KIND EIN VORBILD ZU SEIN

Dein Kind ist nicht unabhängig von deinem eigenen Umgang mit Stress. Zum einen wirkt sich der Stress, den du selbst empfindest auf dein Verhalten gegenüber deinem Kind aus (Stress schränkt z.B. die Fähigkeit zur Empathie ein) und zum anderen bist du deinem Kind ein Vorbild, d.h. es lernt auch über dich, wie es mit Stress umgehen kann. Es lohnt sich daher auf sich selbst zu gucken und die eigene Selbstfürsorge und den Umgang mit Stress im Blick zu behalten. Routinen und strukturierte Zeitabläufe können bei kleinen Kindern dabei helfen, dass es zu weniger stressigen Situationen kommt. Auch die Orientierung, die es hierdurch erhält, wirkt stresspuffernd.

  • BEWÄLTIGUNGSSTRATEGIEN ENTWICKELN: SOZIALE UNTERSTÜTZUNG

,,Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf“ (Nigerianisches Sprichwort)

Für Kinder kann es hilfreich sein, neben den Eltern und Geschwistern noch andere Bezugspersonen,  wie Großeltern, ErzieherInnen, LehrerInnen, FreundInnen, Verwandte etc. zu haben, an die sie sich, in belastenden Situationen, wenden können. Diese haben möglicherweise noch andere Ressourcen (z.B. emotionale: wie Trost, Akzeptanz etc./ instrumentelle: wie die Abnahme belastender Aufgaben/ materielle: wie z.B. eine finanzielle Unterstützung), als die Kernfamilie, um das Kind zu unterstützen. 7,8  Es macht Sinn, bereits früh, ein gutes soziales Netzwerk aufzubauen, indem das Kind aufgefangen wird. Das Kind lernt so, an wem es sich in bestimmten Situationen wenden kann. Zudem kann auch das Stresserleben der Eltern, durch ein gutes soziales Netzwerk, reduziert werden. Hierdurch besteht dann auch weniger die Gefahr, dass sich Stress der Eltern, auf das Kind überträgt.

  • BEWÄLTIGUNGSSTRATEGIEN ENTWICKELN: EMOTIONSREGULATION

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit denen dein Kind negative Emotionen, die durch Stress entstehen, abbauen oder reduzieren kann. Hierzu zählen z.B. Sport, Aktivitäten, die zur Ablenkung führen wie z.B. den Hobbies nachgehen, die Gefühle raus lassen, Entspannungstechniken, wie Atemübungen (z.B. tiefe Bauchatmung)  oder Phantasiereisen. Unterstütze dein Kind dabei, herauszufinden, wodurch es am besten negative Emotionen abbauen kann. Wenn du ihm seine Emotionen dann auch noch spiegelst (wie z.B. nach einer Entspannungsübung: Dein Gesicht sieht ganz locker und gelöst aus. Ich habe den Eindruck, du bist nun ganz entspannt und gelassen), lernt es diese Emotionen, mit der Strategie in Verbindung zu bringen und es fällt ihm möglicherweise leichter sie anzuwenden.

  • BEWÄLTIGUNGSSTRATEGIEN ENTWICKELN: INSTRUMENTELLE STRATEGIEN

Mit diesen Strategien werden stressauslösende Ereignisse verändert. Dies kann z.B. bei einer anstehenden Klausur passieren, indem sich das Kind Lernpläne erstellt, Unterstützung sucht oder das Ereignis umbewertet (z.B. entkatastrophisiert -> was passiert im schlimmsten Fall, wenn ich die Klausur nicht bestehe und welche Möglichkeiten gibt es dann für mich). Instrumentelle Strategien entwickelt das Kind mit voranschreitender Problemlösefähigkeit. Wie du die Entwicklung einer guten Problemlösefähigkeit förderst, kannst du weiter oben im Beitrag nachlesen.

In Teil 3 „R- Resilienz (Wie werden unsere Kinder stark fürs Leben?)“ stelle ich dir die letzten beiden persönlichen Schutzfaktoren vor.

1 Siegler, R.., Eisenberg, N., De Loache, J., Saffran, J. (2016): Entwicklungspsychologie im Kindes- und Jugendalter. Herausgeber: Pauen, Sabina (Hrsg.). 4. Aufl. Springerverlag, Berlin/ Heidelberg.

2 Leutner, D., Klieme, E., Meyer, K., Wirth, J. (2005): Die Problemlösekompetenz in den Ländern der                Bundesrepublik Deutschland. In: Prenzel, M., Baumert, J., Blum, W., Lehmann, R., Leutner, d.,                Neubrand, M., Pekrun, r., Rost. J., Schiefele, U. (Hrsg.): PISA 2003. Der zweite Vergleich der Länder in Deutschland – Was wissen und können Jugendliche? Waxmann, Münster i. W.

3 Fröhlich-Gildhoff, K. & Rönnau-Böse, M. (2014): Resilienz. 3. Aufl. Reinhardt, München.

4 Lazarus, R. S., & Folkman, S. (1984). Stress, appraisal and coping. Berlin, New York, Tokio, Heidelberg:Springer.

5 Lazarus, R. S., & Launier, R. (1981). Stressbezogene Transaktionen zwischen Person und Umwelt. In J. R. Nitsch (Hrsg.), Stress, Theorien, Untersuchungen, Maßnahmen (S. 213–259). Bern: Huber.

6 Wippert, P-M. (2009): Stress- und Schmerzursachen verstehen. Stuttgart: Georg Thieme Verlag

7 Jerusalem, M., & Weber, H. (2003): Psychologische Gesundheitsförderung. Diagnostik und Prävention. Göttingen: Hogrefe Verlag

8 Knoll, N., Scholz, U., Rieckmann, N. (2005): Einführung in die Gesundheitspsychologie. München: Reinhardt Verlag

Eine Idee zu “R- Resilienz (Wie werden unsere Kinder stark fürs Leben?) – TEIL 2

  1. Pingback: R- Resilienz (Wie werden unsere Kinder stark fürs Leben?) - TEIL 1 - Mama Entspannt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.